Alle Beiträge von Judith Arlt

Lüüd – die Unbezahlbare

Lüüd – das Magazin für Szene und Kultur in Dithmarschen erscheint kostenlos am Monatsanfang

Meine Beiträge:

Interview mit Judith Arlt von Heiner Egge: 4 Jahreszeiten auf der Hallig lüüd_okt16_S.12-13

ausgezeichnet lyrik – liryka extra

Das Goethe-Institut, die Wisława-Szymborska-Stiftung und die Literaturwerkstatt Berlin laden ein zu einer Begegnung mit deutschen und polnischen Gedichten. Nehmen wir uns also einen Moment Zeit für neue Sichtweisen, für Assoziationen und Wortspiele, Ironie und Distanz. Die Lyrikerinnen und Lyriker stellen hier nicht nur ihre Werke vor, sondern reden über ihre Arbeitsweise, über ihre Inspirationen und ihre Rezepte für ein gutes Gedicht. Begleitet werden die Texte von künstlerischen Animationen. Die Übertragungen in die jeweils andere Sprache besorgten namhafte Übersetzer.

Fragen für die Interviews: Judith Arlt

deutsch: ausgezeichnet lyrik – polnisch: poezja extra

3. November 2017 – 20 Uhr

Foto: Ricarda Alexander- Egge

Die Halligschreiberin liest in Meldorf aus „Handschlag der Tide“ und „Hooger Nüsse“

Ort: „Traumausstatter“,  Süderstr. 9, Meldorf

Eintritt: 8 Euro, ermäßigt 4 Euro, im Vorverkauf 7 bzw. 3,50 Euro

Vorverkauf ab sofort: 04832 – 4104

Veranstalter: Peter Panter Buchladen und Unternehmen Leselust – Förderverein der Stadtbücherei Meldorf e.V.

„Der Handschlag der Tide regelt das Leben der Frau im Watt. Auf Was­ser kann sie sich verlassen. Der Tidenstrom pendelt wie eine Stockuhr durch ihre Pfahlbauhütte. Unverwüstlich. Höflich mit Handkuss. Stur im Auf und Ab. Der Sonnenaufgang hingegen ist launisch und Seenebel sind hinterlistig.

Oonagh hört den Stillstand der Gezeit und presst Faschinen zwischen die brusthohen Pfähle. Sie befestigt sie mit Spanndraht. Die Alltagswellen beruhigen sich an den Lahnungen und verrennen sich nicht in die Hallig­kante. Das Springhochwasser ist ein Durchzügler wie der Steinwälzer. Sobald die Flut gesättigt ist, löst die Ebbe sie ab. Anders der Mond. Die Halligfrau wacht über störungsanfällige Koloniebrüter. Bei Seichtwasser­tide seihen die Löffler das flache Wasser mit pendelnden Kopfbewe­gungen. Oft verschwindet das Licht unvermutet aus dem Tag. Nie aber fehlt der Scheitelpegel, oder zu Ostern die gefräßigen Ringelgänse. Auch Goldregenpfeifer und Grünschenkel erscheinen pünktlich zum Appell auf der Salzwiese.“ (© Judith Arlt 2017 – Auszug aus „Handschlag der Tide)

„Es folgen viele Montage, die ich mit Nussschalen auf Ockelütz verbringe. Das Schulhaus steht in der Mitte der Hallig, auf der Warft, auf der kein Kind wohnt. Bei Landunter bleiben alle zu Hause. Am Monatsersten bringt Tief Quasim eine afghanische Familie nach Hooge. Die Anzahl der Schulkinder schnellt mitten im Schuljahr in die Höhe. Die Flut hat sich zurückgezogen, nun fällt Regen vom Himmel. Die Nacht bricht ein, ehe die Gäste gewahr werden, wohin sie geraten sind. Die zweitälteste Tochter heißt Modschabi. Am Montagvormittag lernen wir zusammen zählen und rechnen. Dazu schieben wir Nussschalen auf dem Pult hin und her.“ (© Judith Arlt 2017 – „Hooger Nuss“ Nr. 15)

 

28. April 2017 – 19:30 Uhr

Die Lüüd – das Magazin für Szene und Kultur in Dithmarschen – feiert 100 Hefte!

Kultur-Lüüd mit Musik, Text und Tanz, Moderation Gabriele Hotsch:

  • Boris Guckelsberger und Balettmeisterin Jutta Warnecke: Flamenco.
  • Minne Rössler: Aphorismen zu Lebensstationen.
  • Schülerinnen und Schüler der Klasse 9a der Gemeinschaftsschule: wie klingt Meldorf?
  • Heiko Kroll: Gedanken op Platt
  • Judith Arlt: Hooger Nüsse
  • Sebastian Schwarze-Wunderlich: Crossover auf dem Steinway
  • Carol Guckelsberger und Roland Baartz: Folk aus Schottland und Irland
  • Guido Goh spielt auf seinem selbst gebauten Saiteninstrument „Sisa“
  • Bhakti: Harmonium, Gesang

Besondere Gäste: Holzskulpturen von Monika Tiedemann

Judith Arlt liest aus „Hooger Nüsse“ – Miniaturen von der Hallig: „Auf Hooge gibt es keine Nüsse, außer man bringt sie vom Festland mit. Wer Nüsse einpackt, hat immer ein konkretes Ziel und legt deshalb auch den Nussknacker dazu. …“ – so beginnt die Reise auf die Hallig. Von Plinius dem Älteren bis Hawkins haben schon viele versucht, die Welt, die, erfahrene, ersehnte, erahnte … in nuce, also in einer Nussschale, unterzubringen. Hooge in nuce, nicht leichter als das! Eine mit Pech und Schwefel ausgestrichene leere Walnussschalenhälfte in der tosenden Nordsee. Aber nein. Das Wasser ist gar nicht immer da, der Schlick heimtückisch, der Wind scharf. Afghanische Kinder springen herum, Austernfischer rauben einem den Schlaf, Seemöven attackieren unschuldige Deichgänger, Pensionskühe brüllen nächtelang nach ihren Pensionskälbern, Ringelgänse besetzen wochenlang die Fennen. Diese ungestüme Welt passt in keine Nussschale!

In der Ditmarsia, Süderstr. 16 in Meldorf –  Kartenvorverkauf im Peter Panter Buchladen, Schuh- und Sporthaus Carstensen sowie in der und Touristinformation Meldorf

Plakat hier: kultur_luud_flyer_druck

18. November 2016 – 19:30 Uhr

Bundesweiter Vorlesetag – „Spätlese“in Meldorf:

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(c) Peters

 

 

 

 

 

 

es lesen in alphabetischer Reihenfolge aus eigenen Texten oder Lieblingsbüchern:

Judith Arlt
Annette Eckhardt
Johanna Hell
Elko Laubeck
Sven Methner
Dr. Jutta Müller
Stefan Oing
Uwe Peters

Erfahrungsgemäß ein sehr vergnüglicher Abend!
Herzliche Einladung!
ab 19:30 Uhr, Kulturkneipe Bornholdt, Zingelstr. 14, Meldorf
Eintritt frei, Speisen und Getränke serviert das Personal gerne

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13. September 2016 – 20:00 Uhr

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Die Halligschreiberin liest20160913_210826-2

„Zweimal täglich trägt die Flut tonnenweise fein gemahlenes Gebirge auf die Wattfläche. Sedimente der ganzen westlichen Welt dicken das Wattwasser ein und versinken erst dort, wo die Strömung nicht mehr fließt.“ (© Judith Arlt 2016)

Die in Glarus heimatberechtigte Halligschreiberin Judith Arlt liest im Rahmen der Fotoausstellung des Zürchers Hannes Hübner „Halm um Halm“ aus ihrem Manuskript „Handschlag der Tide“.

Hannes Hübner präsentiert mit seinen analogen schwarz-weiß Fotografien Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Lebensräume auf den Norddeutschen Halligen und in den Schweizer Alpen.

Judith Arlt arbeitet derzeit auf der Hallig Hooge an ihrer topologischen Autobiografie, das heißt an einem Prosaprojekt, das sich nur am Schauplatz des Erlebten orientiert und fast ganz ohne handelnde Personen auskommt. Zwei entgegengesetzte Landschaften bilden das Zentrum des Textes: die Glarner Alpen und das Wattenmeer. Der Mensch existiert darin höchstens als ein randständiges, wetterleuchtendes Element. Das Karge einer Rautispitzostwand beispielsweise kann in der Ausstellung als Bild betrachtet werden – und wird während der Lesung auch als Text vorgetragen.

Dauer der Fotoausstellung: 23.8. – 18.9.2016

Lesung: Dienstag, 13. September, 20 Uhr

Uns Hallig Hus, Hanswarft, Hallig Hooge

Eintritt frei, um ein20160913_211509e Spende wird gebeten

13. September 2016 – 11:30 Uhr

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Lesung aus dem Manuskript „Handschlag der Tide“

Geschlossene Veranstaltung für die Teilnehmer der Literaturreise durch den „echten“ Norden, organisiert von Lingua & Cultura Tours in Zusammenarbeit mit der Thomas-Mann-Gesellschaft in Lübeck und der Theodor-Storm-Gesellschaft in Husum.

Gasthaus „Zum Seehund“, Hanswarft, Hallig Hooge

1. August 2016 – 19:30 Uhr

 

DSCN4490 (2)Schweizer Nationalfeiertag auf Hallig Hooge:

Die in Liestal geborene Halligschreiberin Judith Arlt liest aus ihrem Schweizer Schuhmacherroman „Die Fölmlis“ sowie unveröffentlichte Halligtexte aus der Sammlung „Handschlag der Tide“.

Aus DSCN4492der Schweiz anreisen und teilnehmen am Gespräch wird die Schuhmacherin Frieda Fölmli aus Menznau. Sie arbeitet heute in der Schuhmacherwerkstatt und führt das Schuhgeschäft nach ihrem Vater und Großvater in dritter Generation. Jeder Generation ist im Roman ein Kapitel gewidmet, also auch Frieda.

Montag, 1. August 2016, 19:30 Uhr

Halligcafé zum Blauen Pesel, Backenswarft

Eintritt frei

 

Der Roman „Die Fölmlis“ kann vorab in der Galerie „Hooger Bernstein“ auf Hanswarft käuflich erworben werden. Natürlich wird das Buch auch bei der Lesung angeboten und auf Wunsch signiert.

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Strömungsarme Stellen wachsen bereitwillig. Sie liegen zwischen den vorgelagerten Inseln, Halligen, Sandbänken und dem Festland. Zweimal täglich trägt die Flut tonnenweise fein gemahlenes Gebirge auf die Watt­fläche. Sedimente der ganzen westlichen Welt dicken das Wattwasser ein und versinken erst dort, wo die Strömung nicht mehr fließt. Strömungsarme stellen Fallen, betten organische Überreste wie Sterben­de zur Ruhe. Geschiebemergel oder Gletschermilch. Sand aus der Wüste Sinai oder vom Berg Ararat. Strömungsarme stellen keine Fragen, weder nach der Staatsangehörigkeit noch nach der morphologischen Struktur. Partikel oder Abtönung. Luftsäulen beherbergen aufsteigende Naturton­reihen. Strömungsarme Stellen nutzen den Stillstand ohne Widerrede. Wachsen ihre Ablagerungen über das Mittlere Tidehochwasser hinaus, entstehen Marschen. Jungmarschen, Rohmarschen, Salzmarschen. See­marschen erreicht das ankommende Wasser kaum noch. Die August­sonne trocknet das neu gewonnene Land aus und schichtet die boden­nahe Luft labil. Dann tanzt der Sandteufel auf. Ungestüm wie Willy-Willy errichtet er aus nichtigem Grunde kleinräumige Damenumkleidekabinen.“ (© Judith Arlt, Handschlag der Tide)